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Antideutsch-kommunistische Initiative |
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GWG Detmold - 03.2004 Zum moralischen Polster der Deutschen "Wenn Sie bisher Juden ausrotteten, dann müssen Sie jetzt Judenpfleger sein!" So lautete eine der letzten Anordnungen, die Heinrich Himmler, der oberste Verbrecher der SS, seinem Untergebenen Adolf Eichmann 1945 erteilte. Das gab Eichmann bei seiner Vernehmung in Jerusalem zu Protokoll, wo ihm der Prozess gemacht werden konnte. Einer der wenigen übrigens, die mit einem für Antifaschisten erfreulichen Urteil endete. Bis zuletzt machte sich also dieser Massenmörder Gedanken darüber, wie Deutschland mit den Juden verfahren solle. Angesichts des verlorenen Krieges befahl er seinem Vernichtungsorganisator Eichmann einen Wechsel in der antisemitischen Strategie. Himmler wusste schließlich am besten um die deutschen Verbrechen an den europäischen Juden. Und als überzeugter Antisemit glaubte er seinen eigenen Wahn von der "jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung". Von der erwartete er fürchterliche und grausame Rache. (Leider hatte auch dieser Wahn nichts mit der Realität zu tun.) Vielleicht glaubte er, die Feinde noch ein wenig besänftigen zu können. Wie dem auch sei: Seine Anordnung wurde nicht von Eichmann umgesetzt, sondern von demokratischen Politikern der Bundesrepublik Deutschland, wenn auch aus anderen Motiven heraus. Einer von Himmlers Mitverbrechern, der Reichsarbeitsführer Robert Ley, war im Nürnberger Prozess schon etwas frecher als Himmler, nachdem die erwartete fürchterliche Rache für die Naziverbrechen ausgeblieben war. Er schlug die Einrichtung eines paritätisch besetzten "Versöhnungsausschusses" vor. In der bürgerlichen Logik zieht die negative Sonderbehandlung der Juden zwischen 1933 und 1945 die Notwendigkeit einer scheinbar positiven nach sich: "Die in der Zeit des Nationalsozialismus erfolgte menschenverachtende Stigmatisierung von Juden und die damit implizit verbundene Aufforderung an andere, sie zu diskriminieren und zu schikanieren, gebieten auch heute eine besondere Sensibilität im Umgang mit Juden." (Aus dem Beschluss des OVG Münster zum Verbot der Nazi-Demo in Bochum.) Deutschland "pflegt" seine deutschen Juden, damit diese einen Abglanz auf Deutschland werfen: Durch die Rekonstruktion jüdischen Lebens in Deutschland sollen sie die "Normalität" dieses deutschen Staates illustrieren, damit dieser vorgaukeln kann, die Folgen der Shoa seien praktisch überwunden. Es ist besonders wertvoll für die deutsche Außenpolitik, wenn der Aufarbeitung der Verbrechen des Vorgängerstaates von den Opfern und ihren Nachkommen das Prädikat "gelungen" erteilt wird. Zumindest bilden sich das die Politiker ein, denn sie glauben zwar nicht mehr an die "jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung" - aber dass Juden weltweit sehr großen Einfluss haben, davon sind sie im Stillen genau so überzeugt wie ein Großteil ihrer Wähler. Und sie arbeiten daran, diesen Einfluss zu verringern. Den Sprechern der Juden in Deutschland wird die Aufgabe zugeschustert, "Gewissen der Nation" zu sein. Das bedeutet praktisch, sie müssen Alarm auslösen, wenn deutscher Antisemitismus sich allzu deutlich artikuliert. Deutsche können offensichtlich Antisemitismus nicht selbst erkennen, höchstens noch, wenn er von einem anerkannten Nazi geäußert wird. Also erklären sie Juden zu nationalen Antisemitismusdetektoren. In typisch antisemitischer Verblendung nehmen sie an, dass Antisemitismus doch etwas mit dem "Wesen der Juden" zu tun habe, wodurch diese zu Fachleuten für diese Sache würden. Diese vertrackte Rollenzuweisung führt nur dazu, dass eine gesellschaftliche Sprachregelung für antisemitische Äußerungen in der demokratischen Öffentlichkeit unter Beteiligung der Opfer ausgehandelt wird. Das Verfahren läuft immer nach dem selben Muster ab: Irgendein nationaler Großdichter oder ein politischer Schwachkopf sagt etwas gegen Juden. Vertreter der jüdischen Gemeinden in Deutschland sind empört oder bekommen von einem deutschen Medienmarktsegment Raum für eine Stellungnahme. Danach geht die gesellschaftliche Diskussion los. Es gibt irgend ein mehr oder weniger praktisches Ergebnis, eine Mahnung, einen Rücktritt, Einladungen zu Talkshows, tausende zustimmende Briefe an den Antisemiten, Auflagensteigerungen etc. Aber die Beteiligung der Opfer an der Entscheidung, was sie verletzt, ist begrenzt. Mit jeder "Antisemitismusdiskussion" werden die Möglichkeiten der Antisemiten größer, egal wie sie abläuft. Das selbst auferlegte Tabu wird demontiert. Und bei einem haben die Juden in Deutschland sowieso ihren Mund zu halten: Das Recht der Deutschen, Israel zu kritisieren, ist für diese heiliges Menschenrecht. Und sogar eines, von dem sie gerne und häufig Gebrauch machen. Das lassen sie sich von keinem Juden verbieten. D ie verbotenen Demonstrationen gegen den Neubau der Bochumer Synagoge sind auf jeden Fall antisemitisch im ganz klassischen Sinne. Deshalb fallen sie im postfaschistischen Deutschland nicht unter das Recht auf Meinungsfreiheit. Das haben sogar Nicht-Juden ohne große Nachhilfe erkannt. Der Bochumer Polizeipräsident bedurfte aber schon der öffentlichen Anregung, um die Demonstrationen nach einigem Zögern zu verbieten. "Nie wieder dürfen Nazis gegen Synagogen hetzen!" überschrieb die regionale Gutmenschen-Antifa ihre Anregungen für die von den Nazis angerufene Justiz. Die ganz normalen Deutschen (aber auch ihre migrantischen Mit-Antisemiten) dürfen nicht durch Nazis daran erinnert werden, was sie "eigentlich" über Juden denken. Die Nazi-Hetze könnte die Re-education gefährden. Einige handeln wohl auch aus der Sorge heraus, ihr Alleinvertretungsrecht für den neudeutschen Antisemitismus bedroht zu sehen, der sich eben nicht gegen Juden in Deutschland, sondern "nur" gegen den "Juden unter den Staaten", nämlich Israel, richtet. Sie wollen keine Juden töten, sondern haben "nur" große Sympathien mit den unterdrückten Palästinensern, die sich die Zerstörung des Staates Israel und die Vernichtung oder Vertreibung des größten Teils seiner jüdischen Bevölkerung zum Ziel gesetzt haben. Eine grandiose Verdrängungsleistung! Wie arbeitet die Nazi-Propaganda? Nazis schwimmen im Volk wie die Fische im Wasser - jedenfalls hätten sie das gerne. Von den alten Nazis, die von ihren modernen Kameraden als "Erlebnisgeneration" verharmlost werden, wurde die Ideologie übernommen: Volkswohlstand kommt daher, dass man den Juden etwas wegnimmt und es an das "Volk" verteilt. Millionen Deutsche haben in der Zeit des "Dritten Reiches" von dieser Umverteilung profitiert: Sie eigneten sich jüdisches Vermögen im Zuge der "Arisierung" kostengünstig an. Die ärmeren "Volksgenossen" erhielten vom "Winterhilfswerk" Kleider ermordeter Juden oder ergatterten billig auf Versteigerungen den Hausrat der "nach Osten ausgesiedelten" ehemaligen Nachbarn. Wenn es besonders gut lief, konnten sie gar in deren Haus oder Wohnung einziehen. Diese kollektiven Erfahrungen wurden verdrängt, können aber auch in der Generation der Erben noch wirksam sein. Nicht nur bei den links-alternativenNutznießern der zweiten Arisierung ehemals jüdischer Häuser in Berlin Mitte. Juden etwas wegzunehmen, macht offenbar reicher, und auf Judenvernichtung steht keine nennenswerte Strafe, wie die Erfolgsgeschichte der BRD zeigt. Daran versuchen die Nazis anzuknüpfen. Die seit Jahren als Breitensport hingebungsvoll betriebene Hetze gegen "Sozialschmarotzer" erleichtert ihnen das sehr. Ein deutscher Normalbürger hat in den letzten 20 Jahren gelernt, dass das deutsche Kapital sich an den gesellschaftlichen Kosten für die Reproduktion der Arbeitskraft (Bildung, Gesundheit, soziale Dienste etc.) wegen der Globalisierung nicht beteiligen will. Schließlich muss es international konkurrenzfähig bleiben und braucht deshalb jeden Cent für sich selbst. Also müssen die Lohnabhängigen die Zeche alleine bezahlen: durch private Vorsorgeausgaben, höhere Ausbildungs- und Krankheitskosten, direkte und indirekte Steuern. Dass der Staat sparen müsse zugunsten der Wirtschaft, ist allgemein durchgesetzte Ansicht. D ie Nazis setzen mit ihrer Propaganda an diesen und anderen unverstandenen Alltagserfahrungen an. Sie spekulieren darauf, dass bei leeren öffentlichen Kassen verschärfter Futterneid entsteht. Dass in den Köpfen der Menschen feststeht, wer keine finanzielle staatliche Unterstützung erhalten darf: alle, die sie für minderwertiger oder weniger bedürftig halten als sich selbst. Und das wird entschieden nach rassistischen, nationalistischen und antisemitischen Kriterien. Dafür sind aber nicht die Nazis verantwortlich. Jeder deutsche Normalbürger hat in den letzten Jahren wieder lernen können, dass vor allem "die Juden" zu viel Geld vom deutschen Staat bekommen. Dazu muss er nicht Goebbels, Hitler oder Streicher gelesen haben. Er muss nur die einschlägigen Aussagen von bürgerlichen Politikern, so genannten Geistesgrößen oder deutschen Presseorganen in den antisemitischen Klartext übersetzen: Dann "weiß" er, dass die Juden seit Jahrzehnten Deutschland mit der "Auschwitzkeule" (M. Walser) traktieren und "sich schnell zu Wort melden, wenn irgendwo in deutschen Kassen Geld klimpert." (Die letzte Aussage stammt nicht von einem Nazi, sondern vom damaligen CSU-Bundestagsabgeordneten Fellner (1986). Der wurde von Bundeskanzler Kohl hart gerügt: "Bitte formulieren Sie so nicht, Herr Kollege.") D er Durchschnittsdeutsche weigert sich zuzugeben, dass "die deutsche Wirtschaft" seinerzeit durch die Zwangsarbeiter einen ungeheuren Extra-Profit eingestrichen hat, der durch die lächerlichen Entschädigungszahlungen an die wenigen Überlebenden nach fast sechs Jahrzehnten nicht annähernd ausgeglichen wird. Für ihn sind die Zwangsarbeiter alle Juden, welche "die deutsche Wirtschaft" durch die Zwangsarbeiterentschädigung schwer geschädigt haben. Er kann sich auch noch einbilden, das Geld wäre ansonsten als Lohn unter anderem an ihn ausgezahlt worden). Er fantasiert sich überhaupt zusammen, dass die Deutschen den Juden eine riesige Menge Geld als "Wiedergutmachung" für die Shoa bezahlt haben. Er folgert daraus mit den Geistesgrößen Walser und Grass, dass es jetzt aber mal vorbei zu sein habe mit dem Gerede von Auschwitz und dass endlich von den deutschen Opfern die Rede sein müsse: den Opfern alliierter Bombardements, den Vertriebenen, den "Zwangsarbeitern" in stalinistischen Arbeitslagern usw. usw., eigentlich vom "ganzen deutschen Volk". Z ieht er aber die logische Konsequenz aus den Verheerungen in seinem Bewusstsein und stimmt der Demagogie der Nazis zu, dann steht er plötzlich da als "ewig Gestriger" und "Unbelehrbarer", und bekommt von seinen gewiefteren Mit-Deutschen das zutreffende Etikett "Antisemit" verpasst. Er hat in seinem nationalistischen Eifer nicht bedacht, dass seine Nation mit dem jüdischen Pfund auf ganz andere Weise wuchern will. Und seine Mitbürger, die jene verlangte "besondere Sensibilität im Umgang mit Juden" zeigen, können durchaus guten Gewissens den Sieg der Intifada still herbeisehnen oder gar auf Demos "Intifada bis zum Sieg!" gröhlen oder die USA als "internationale Völkermordzentrale" verleumden. Sie können ja keine Antisemiten sein, denn diese Rolle haben sie schon an die Neonazis und deren Sympathisanten unter den deutschen Stammtischdeppen vergeben. Juden in Deutschland - besonderer Schutz im deutschen Interesse Die deutsche "Vergangenheitsbewältigung" trägt allmählich die beabsichtigten Früchte: Man kann auf "seine Juden" verweisen, die aus deutscher Sicht alleine durch ihr Hiersein Deutschland einen Persilschein ausstellen. Jeder weiß: Kein jüdischer Kindergarten, keine Synagoge und kein Altersheim würden ohne Polizeischutz längere Zeit unbeschädigt überstehen. Aber auch das kann der deutsche Staat sich als positiv anrechnen: Er schützt seine Juden schließlich. Der Nachfolger des Mörderstaates muss nicht mehr gesenkten Hauptes unter den anderen Nationen mit Anspruch auf Weltgeltung einhergehen, sondern kann die Nase schon wieder sehr hoch tragen. Er kann sogar andere bei Bedarf daran erinnern, dass sie ihre Schandtaten (als Kolonialmächte, die "Vernichtung" der Indianer, alliierter Bombenterror" im Zweiten Weltkrieg) erst einmal so gründlich verarbeiten müssten wie Deutschland das mit seinen gemacht hat. Auch steht noch die "Wiedergutmachung" für die "Verbrechen an Deutschen" aus, die zukünftig eingeklagt werden wird. D ie Millionen von Deutschland ermordeten Juden haben so indirekt noch einen moralischen Surplus abgeworfen, der sich im Konkurrenzkampf der verbündeten Nationen instrumentalisieren lässt. Die Ungeheuerlichkeit der an diesen Menschen begangenen Verbrechen hat dafür gesorgt, dass Deutschland "aus seiner Geschichte gelernt hat". Der deutsche Staat sagt, dass ihm das Ganze ziemlich leid tut und dass er es bestimmt nie wieder macht. Das und die von Betroffenheit zerknirschten Gesichter seiner Sonntagsredner reichen schon aus, sich wieder einmal besser zu dünken als andere Nationen. S o kann Deutschland wahlweise einen Angriffskrieg gegen Serbien mit seiner besonderen Verantwortung für die Verhinderung eines zweiten Auschwitz forcieren oder einen besonderen historisch bedingten deutschen Friedenswillen vorschieben, um einen Krieg gegen den Irak abzulehnen. Dieser Joker sticht immer. Im "Nahostkonflikt" kann die deutsche Diplomatie als "ehrlicher Makler" auftreten und selbst der unverschämte Gedanke, deutsche Soldaten könnten in "Palästina" bewaffnet für "Frieden" sorgen, darf schon wieder von führenden deutschen Politikern laut ausgesprochen werden. Weit und breit niemand mehr da, der sie dafür ohrfeigt. Georg-Weerth-Gesellschaft Detmold georg-weerth.info - georg_weerth@web.de (Text als Flugblatt in .pdf) (zurück) (Startseite) |
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